mehr auf finnbuch.de

Präventionsarbeit im Landkreis hat einen hohen Stellenwert

Gemeinsamer Präventionsrat des Landkreises Marburg-Biedenkopf und der Universitätsstadt Marburg beschäftigte sich mit wichtigen Themen

Marburg-Biedenkopf - Landrat Robert Fischbach unterstrich in der Sitzung des gemeinsamen Präventionsrat des Landkreises und der Stadt Marburg, dass die Präventionsarbeit im Landkreis einen hohen Stellenwert hat: “Es ist auch in Zukunft wichtig, Zeichen zu setzen und gute Beispiele für Zivilcourage öffentlich hervorzuheben.”

Gemeinsamer Präventionsrat des Landkreises Marburg-Biedenkopf und der Universitätsstadt Marburg beschäftigte sich mit wichtigen Themen (Foto: Landkreis)

Gemeinsamer Präventionsrat des Landkreises Marburg-Biedenkopf und der Universitätsstadt Marburg beschäftigte sich mit wichtigen Themen (Foto: Landkreis)

Im Oktober 2009 wurden beispielsweise vier Schüler mit Migrationshintergrund aus Stadtallendorf in einer kleinen Feierstunde geehrt, nachdem sie mutig und tatkräftig bei einem “Amoklauf ohne Waffen” in ihrer Schule einem Lehrer und Mitschülern beigestanden hatten. Das sei, so der Landrat, ein gutes Beispiel dafür.

Der Präventionsrat sieht seine vorrangige Aufgabe vor allem darin, Impulse zur vorbeugenden Verbrechensbekämpfung zu geben. Ziel des Präventionsrates ist die Steuerung und Entwicklung von Ansätzen zur Straftatenvorbeugung und Straftatenverhütung. Eines der Hauptthemen des letzten Treffens war das Netzwerk gegen Gewalt. Dirk Zettner vom Polizeipräsidium Mittelhessen, der die Geschäftsstelle des “Netzwerks gegen Gewalt” seit November 2009 leitet, stellte es vor. Das Netzwerk gegen Gewalt versteht Gewaltprävention als gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Es will Beiträge zur Intensivierung der Kooperation aller in der Gewaltprävention tätigen Behörden, Institutionen, Vereine, Verbände und Initiativen leisten. Dabei beachtet das Netzwerk gegen Gewalt die nötige Balance im Spannungsfeld von Autonomie und Kooperation aller Beteiligten. Wichtiges Portal für diese Arbeit ist die Internet-Seite www.netzwerkgegengewalt.de. Dort findet man den Präventionsatlas, wo ab sofort von allen im Kreispräventionsrat vertretenen Trägern und Institutionen entsprechende Projekte eingetragen werden.

Ein weiterer wichtiger Punkt war das Thema “Gefahren für Kinder im Internet”. Aufgrund seiner Aktualität wurde es in jüngster Zeit in mehreren Präventionsräten in Hessen aufgegriffen. Angela Schmidt vom Fachbereich Familie, Jugend und Soziales stellte dem KPR das Projekt MEDISA (MEDIen-Sicherheit-Aufklärung) vor. Am Projekt beteiligt sind neben dem Landkreis Wildwasser Marburg e.V., die Polizeidirektion Marburg mit der Jugendpolizeikoordinationsstelle und Pro Familia. MEDISA will Eltern und den betroffenen Kindern und Heranwachsenden Aufklärung und Hilfestellung geben. Den Beteiligten gehe es bei diesem Zusammenschluss darum, dass jede Institution ihre Stärken mit einbringen und man durch die Zusammenarbeit noch effektiver an die Zielgruppen herangehen könne, erläuterte Frau Schmidt. Inhaltlich werden folgende Themen besonders angesprochen: “Sexualisierte Gewalt im Netz”, “rechtliche Fragen und Handymissbrauch”, “Pornografie und Internet” sowie “Medienkompetenz und praktische Medienarbeit”. In der Aussprache zu diesem Thema wurde die Auffassung vertreten, dass man heute gar nicht früh genug, wenn nicht im Kindergarten, so doch in der Grundschule damit beginnen muss, Kinder mit den Gefahren des Internets und der Handynutzung vertraut zu machen.

Präventionsarbeit der Kirchen. Pfarrer Maik Dietrich-Gibhardt und Dechant Franz Langstein gaben einen Überblick über die Präventionsarbeit der Kirchen im Landkreis. Herr Dietrich-Gibhardt stellte die Beratungsangebote des Diakomischen Werkes, insbesondere folgende Projekte vor: 1. Präventionsarbeit der Sucht- und Drogenberatung (Diakonisches Werk Oberhessen) mit “Hart am Limit - Prävention und Beratung im Hinblick auf riskanten Alkoholkonsum Jugendlicher”, Beratung und Prävention bei Medien- und Onlinesucht. 2. Präventionsarbeit der Psychologischen Beratungsstelle (Diakonisches Werk Oberhessen) mit der Paarberatung, Familientherapie, Zusammenarbeit mit der Jugendgerichtshilfe und 3. Präventionsarbeit am Beispiel der Wohnungslosenhilfe (Diakonisches Werk Oberhessen) mit dem Angebot der Tagesaufenthaltsstätte für Wohnungslose und von Wohnungslosigkeit bedrohte Menschen in der Gisselberger Str. 35. 4. Präventionsarbeit der Evangelischen Jugend (wie zum Beispiel “Club X on tour”, Film- und Medienprojekte, Kooperation mit Schulen, das Projekt “cool Monkeys”, oder die Qualifizierung als Jugendgruppenleiterinnen und Jugendgruppenleiter (Juleica).

Dechant Langstein verwies auf die Jugendarbeit der katholischen Kirche. Wichtig sei es, den Heranwachsenden christliche Werte zu vermitteln, die aber - so seine Wahrnehmung - konträr zur Realität dieser jungen Menschen stehen. Deshalb sei es umso wichtiger, Werte wie Nächstenliebe, gegenseitige Achtung und Menschlichkeit im Kommunionsunterricht herauszuarbeiten.

Kampagne Gewalt-Sehen-Helfen. Roland Döhler berichtete über die Aktivitäten der Kampagne Gewalt - Sehen - Helfen. Das Angebot von Seminaren “für Jedermann” durch die Volkshochschulen werde eher schleppend angenommen. Erfolgreicher seien zielgruppenorientierte Seminarangebote. So habe es Seminare für Schüler der Jahrgangsstufe 10, Auszubildende, ehrenamtliche Jugendbetreuer, Verwaltungsmitarbeiter und den Landfrauenverband mit positiven Rückmeldungen gegeben. Die vom KPR im vergangenen Jahr angestoßene Plakataktion wurde in Zusammenarbeit mit dem Regionalen Nahverkehrsverband durchgeführt. Die Botschaft für potenzielle Täter und Opfer ist: “Im Landkreis Marburg-Biedenkopf wird nicht weggeschaut.”

Döhler ergänzte, dass die gemeinsame Aktion “Jugendschutz” im Landkreis Marburg-Biedenkopf im Hinblick auf den gesetzeskonformen Alkoholausschank an Jugendlichen als Erfolg bewertet werden kann (unter anderem farbige Armbändchen, die die Altersgruppe kennzeichnen, Infos an die Veranstalter, Plakate etc.). Inzwischen fragen auch andere Landkreise nach. Die ersten Rückmeldungen von Veranstaltern waren ebenfalls positiv, so dass hier vielleicht ein wichtiger Schritt gegen den Alkoholmissbrauch bei Jugendlichen gegangen werden kann.

Auf dem Hessentag 2010 wird sich der KPR an einem Tag am Bühnenprogramm der örtlichen Präventionsgruppe “gewaltfrei leben” mit eigenen Beiträgen beteiligen.

1 Kommentar zu „Präventionsarbeit im Landkreis hat einen hohen Stellenwert“

Kommentieren

  • Amateurfunk auf dem Hessentag 2010
    Die Feuertaufe ist bestanden - Bericht von Martin Pfaff (DL9FCL) Der Hessentag kam heute mit aller Wucht. Das Wetter war absolut ideal. Keinem der Zehntausenden Besucher blieb unsere Anwesenheit unbemerkt, denn alle mussten zweimal an unserem Stand vorbei und ihre Blicke fielen zwangsläufig auf unsere Antennen und die über die Außenlautsprecher über den […]
  • Im Frühjahr benötigt unsere Tier- und Pflanzenwelt einen besonderen Schutz
    Ab 1. März gilt neues Bundesnaturschutzgesetz: Rodungs- und größere Gehölzschnittmaßnahmen sind im Zeitraum vom 1. März bis zum 30. September nicht gestattet Marburg-Biedenkopf (26. Februar 2010) - Auch wenn der Winter noch nicht ganz vorüber ist, aus meteorologischer Sicht beginnt dieser bereits am 1. März. Die Winterlandschaft wird sich langsam in […]
Unser Twitter-Kanal